UX & Conversion
UX/UI-Agentur auswählen: Research, Prototypen und Fallstudien prüfen
Kernaussagen
- Eine gute UX/UI-Agentur belegt Entscheidungen mit Nutzerforschung, geklärter Informationsarchitektur und einem getesteten, klickbaren Prototyp.
- Belastbare Fallstudien nennen Ausgangslage, Methode, Teilnehmerzahl, Erkenntnisse, Ergebnis mit Messgröße und Grenzen, Galerien mit Screens zeigen nur Gestaltung.
- Laut Nielsen Norman Group decken etwa fünf Testpersonen rund 85 Prozent der Usability-Probleme auf, das gilt aber nur für qualitative Tests auf Problemsuche.
- Für reine UX-Leistungen gibt es keine belastbare Marktspanne, orientieren kannst du dich an Stundensätzen von 80 bis 120 Euro bei Agenturen laut adfera.
- Die Übergabe an die Entwicklung gehört vor Vertragsabschluss geklärt: Design-System, Spezifikation, Dokumentation und Design-Review in der Umsetzung.
Von Edip Kilinc, Gründer von Webwavers. Veröffentlicht am 31.10.2026. Zuletzt aktualisiert am 31.10.2026. Lesezeit: ca. 16 Minuten.
Kurzantwort: Eine gute UX/UI-Agentur zeigt dir vor dem ersten Screen, wie sie ihre Entscheidungen begründet: mit Nutzerforschung, einer geklärten Informationsarchitektur und einem klickbaren Prototyp, der getestet wurde. Im Portfolio erkennst du das an Fallstudien, die Ausgangslage, Methode, Erkenntnisse und Ergebnis beschreiben, nicht nur an fertigen Oberflächen. Wer nur Screens zeigt, zeigt Gestaltung, aber keinen Prozess.
Das Wichtigste in Kürze
- UX/UI umfasst Research, Struktur, Interaktion und visuelles Design. Prüfe jede Phase einzeln.
- Verlange Fallstudien mit Methode und Erkenntnissen. Hübsche Screens beweisen keine Nutzerforschung.
- Ein Prototyp ist erst dann nützlich, wenn er vor der Entwicklung mit echten Nutzern getestet wurde.
- Bei komplexen B2B-Anwendungen zählen Erfahrung mit Rollen, Berechtigungen, Datenmengen und Mehrsprachigkeit.
- Frag nach der Übergabe: Design-System, Dokumentation und Zusammenarbeit mit der Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
- Was eine UX/UI-Agentur leistet
- Der Ablauf: Welche Ergebnisse du pro Phase bekommst
- User Research: Woran du echte Forschung erkennst
- Informationsarchitektur
- Prototypen: Was klickbar bedeutet
- Portfolio und Fallstudien prüfen
- Checkliste UX-Portfolio prüfen
- 12 Fragen fürs Erstgespräch
- Warnzeichen
- Besonderheiten: Produktoberflächen, Portale, Industrie
- Übergabe an die Entwicklung
- Barrierefreiheit von Anfang an
- Aufwand und Kosten einordnen
- Agentur, Freelancer oder Inhouse
- Wann du keine UX/UI-Agentur brauchst
- Wie wir das umsetzen
- FAQ
Was eine UX/UI-Agentur leistet
UX steht für User Experience, UI für User Interface. Beide Begriffe werden oft zusammen verwendet und trotzdem verschieden gemeint. Im Glossar findest du die Definitionen zu UX und UI. Kurz gesagt: UX fragt, ob Menschen ihr Ziel erreichen. UI gestaltet die Oberfläche, über die sie es versuchen.
Eine UX/UI-Agentur deckt in der Regel vier Bereiche ab:
- Research. Verstehen, wer die Nutzer sind, was sie wollen und woran sie scheitern.
- Struktur. Inhalte und Funktionen so ordnen, dass Menschen sie finden. Das nennt sich Informationsarchitektur.
- Interaktion. Abläufe, Zustände und Fehlerfälle entwerfen, meist in Wireframes und Prototypen.
- Visuelles Design. Layout, Typografie, Farben, Komponenten, oft als Design-System.
Der Haken: Nicht jede Agentur, die sich so nennt, macht alle vier Bereiche mit demselben Gewicht. Manche sind im Kern Designstudios, die UX als Etikett tragen. Andere sind Research-starke Produktteams mit weniger Gestaltungsanspruch. Dein Job bei der Auswahl ist herauszufinden, wo die Stärke liegt und ob sie zu deinem Projekt passt.
Der Ablauf: Welche Ergebnisse du pro Phase bekommst
Der Ablauf ist ein guter Prüfstein, weil jede Phase ein greifbares Ergebnis haben sollte. Wenn eine Agentur dir keine Artefakte nennen kann, gibt es sie vermutlich nicht.
| Phase | Was passiert | Greifbares Ergebnis | Nachweis im Portfolio |
|---|---|---|---|
| Discovery | Ziele, Stakeholder, Bestandsanalyse, Analytics | Zielbild, Problemhypothesen, Annahmenliste | Fallstudie nennt Ausgangsproblem und Ziele |
| Research | Interviews, Beobachtung, Umfragen, Bestandsdaten | Erkenntnisbericht, Personas oder Jobs-to-be-done | Zitate, Methode, Teilnehmerzahl |
| Struktur | Card Sorting, Sitemap, Nutzerflüsse | Informationsarchitektur, Flow-Diagramme | Diagramme oder Sitemap im Case |
| Konzept | Wireframes, Interaktionslogik | Low-Fidelity-Entwürfe, Zustände und Fehlerfälle | Wireframes neben dem finalen Design |
| Prototyp | Klickbarer Entwurf, meist in Figma | Testbarer Prototyp | Prototyp-Link oder Video |
| Test | Usability-Test mit echten Nutzern | Testbericht, priorisierte Probleme | Änderungen, die auf Tests zurückgehen |
| UI-Design | Visuelle Gestaltung, Komponenten | Design-System, finale Screens | Komponenten und Zustände |
| Übergabe | Dokumentation, Zusammenarbeit mit der Entwicklung | Spezifikationen, Designs mit Zuständen, Review in der Umsetzung | Erwähnung der Zusammenarbeit |
Wenn du weißt, dass dein Projekt kein Research braucht (zum Beispiel, weil ihr schon Daten habt), kann die Agentur Phasen verkürzen. Sie sollte dann aber begründen, was sie stattdessen als Grundlage nimmt.

User Research: Woran du echte Forschung erkennst
User Research ist der Punkt, an dem sich Agenturen am stärksten unterscheiden. "Wir haben unsere Zielgruppe analysiert" kann Googeln heißen oder dreißig Interviews. Frag nach.
Die Nielsen Norman Group ordnet UX-Methoden entlang dreier Achsen: Was Menschen sagen im Vergleich zu dem, was sie tun (attitudinal und behavioral), qualitative und quantitative Daten, und der Nutzungskontext. Die Gruppe nennt 20 Methoden, darunter Usability-Tests, Feldstudien, Interviews, Card Sorting, Tree Testing, Analytics und A/B-Tests (NN/g, Christian Rohrer, 2022, zuletzt geprüft 2026). Die Quintessenz für deine Auswahl: Eine gute Agentur kombiniert Methoden und erklärt, warum sie welche wählt.
Woran du echte Research-Arbeit erkennst:
- Sie nennt Methode, Teilnehmerzahl und Zeitraum, nicht nur "Nutzerforschung".
- Sie trennt Beobachtung von Meinung. Was Menschen sagen und was sie tun, ist selten dasselbe.
- Sie zeigt Rohmaterial: anonymisierte Zitate, Beobachtungsnotizen, Auswertungen.
- Sie erklärt, wie Erkenntnisse in Designentscheidungen eingeflossen sind. "Weil sechs von acht Teilnehmern den Filter übersehen haben, haben wir ihn nach oben gesetzt" ist ein Nachweis. "Wir haben die Nutzer verstanden" nicht.
- Sie hat einen Plan für den Zugang zu Nutzern. Gerade im B2B ist das die größte Hürde: Wer organisiert Interviewpartner, und wie viele werden realistisch erreicht?
Ein Hinweis zur Größe von Tests: Jakob Nielsen hat 2000 argumentiert, dass bereits fünf Testpersonen rund 85 Prozent der Usability-Probleme aufdecken, und dass mehrere kleine Tests besser sind als ein großer (Nielsen Norman Group, 2000). Das gilt für qualitative Tests auf Problemsuche, nicht für Zahlen, die du statistisch belegen willst. Wenn eine Agentur "fünf Nutzer pro Runde" vorschlägt, ist das eine solide Basis. Wenn sie behauptet, damit repräsentative Aussagen zu liefern, ist es das nicht.
Mehr zu Interviews findest du im Glossar unter Nutzerinterview.
Informationsarchitektur
Informationsarchitektur (IA) entscheidet, ob Menschen finden, was sie suchen. Sie umfasst Navigation, Benennungen, Gruppierung von Inhalten und die Hierarchie zwischen Seiten oder Bildschirmen. Gerade bei Websites mit viel Inhalt, bei Portalen und bei Software mit vielen Funktionen ist sie wichtiger als jedes visuelle Detail.
Zwei Methoden, an denen du echte IA-Arbeit erkennst: Beim Card Sorting sortieren Teilnehmer beschriftete Karten in Gruppen, die für sie Sinn ergeben. So zeigt sich, wie Nutzer Inhalte mental ordnen. Tree Testing prüft dagegen eine bestehende Struktur, indem Teilnehmer in einem reinen Textbaum Aufgaben lösen (NN/g: Card Sorting, 2024). Wenn eine Agentur vor dem Redesign einer großen Website kein Card Sorting oder Tree Testing vorschlägt, frag nach, wie sie sonst die Struktur validiert.
Was du als Ergebnis erwarten kannst: eine Sitemap oder ein Screenflow, eine Begründung für Benennungen und Gruppen und eine Beschreibung, was sich im Vergleich zu vorher ändert und warum. Auch für Websites ist das relevant. Mehr dazu im Beitrag Seitenstruktur einer Unternehmenswebsite.
Prototypen: Was klickbar bedeutet
Ein Prototyp ist ein Entwurf, den man ausprobieren kann, bevor er gebaut wird. Das Glossar erklärt den Begriff unter Prototyp. Entscheidend ist der Detailgrad, denn "Prototyp" kann vieles heißen.
| Stufe | Aussehen | Wofür geeignet | Warnung |
|---|---|---|---|
| Low Fidelity | Grau, Kästen, Platzhaltertexte | Struktur und Ablauf früh testen | Wirkt unfertig, Nutzer fokussieren auf Layout statt Inhalt |
| Mid Fidelity | Reale Texte, einfache Gestaltung | Inhalte und Interaktionen testen | Oft der beste Kompromiss für Tests |
| High Fidelity | Fast fertige Optik, echte Interaktionen | Stakeholder überzeugen, finale Tests | Teuer, Änderungen kosten Zeit |
Was du verlangen solltest: einen Prototyp, der tatsächlich klickbar ist und die zentralen Nutzerwege abbildet, nicht nur eine Bildergalerie mit Hotspots. Und noch wichtiger: Er sollte vor der Entwicklung mit echten Nutzern getestet werden. Ein Prototyp, den nur das Projektteam gesehen hat, ist ein schönes Dokument, aber kein Risikoschutz.
Frag auch nach Edge Cases. Wie sieht der leere Zustand aus, wie der Fehlerzustand, wie das Laden? In Software und Portalen sind das die Zustände, in denen Nutzer am häufigsten hängen bleiben. Sieht der Prototyp nur den glücklichen Pfad, wurde nur die Hälfte gestaltet.
Portfolio und Fallstudien prüfen
Das Portfolio ist der wichtigste öffentliche Nachweis. Es sagt aber nur etwas, wenn du es richtig liest. Viele Portfolios sind Galerien: schöne Screens, ein Projektname, ein Logo. Daraus lernst du, dass die Agentur gestalten kann. Du lernst nicht, wie sie zu Entscheidungen kommt.
Eine belastbare Fallstudie hat diese Bausteine:
- Ausgangslage. Was war das Problem, für wen, mit welchem Ziel?
- Rolle der Agentur. Was hat sie konkret gemacht, und was das Kundenteam?
- Methode. Welche Forschung, welche Tests, mit wie vielen Teilnehmern?
- Erkenntnisse. Was hat sich gezeigt, was war überraschend?
- Entscheidungen. Welche Änderungen gingen daraus hervor, mit Vorher-Nachher?
- Ergebnis. Was hat sich verändert, nach welcher Messgröße und über welchen Zeitraum?
- Grenzen. Was hat nicht geklappt? Eine Fallstudie ohne ein einziges "das haben wir anders gemacht" ist meistens Werbung.
Beachte: Nicht jedes Projekt darf öffentlich Zahlen nennen. Viele B2B-Kunden verbieten es. Dann sollte die Agentur im Gespräch zeigen können, was sie messen würden und was sie in ähnlichen Projekten gemessen hat. Zahlen, die in einem Case stehen, aber keine Messgröße und keinen Zeitraum nennen, sind Dekoration.
Relevanz prüfen. Ein starkes Portfolio für Konsumenten-Apps sagt wenig über ein Händlerportal. Achte auf Erfahrung mit deinem Kontext: komplexe B2B-Anwendungen, mehrsprachige Plattformen, Kundenportale, Produktdarstellung für erklärungsbedürftige Produkte. Wer dir ein ähnliches Projekt zeigt, kann auch erklären, wo es kritisch wurde.
Ein Hinweis zu Awards: Sie sagen etwas über Gestaltungsqualität und Wahrnehmung, aber wenig über Forschung und Wirkung. Mehr dazu im Ratgeber Design-Awards bei der Agenturauswahl.
Checkliste UX-Portfolio prüfen
Geh pro Agentur zwei bis drei Fallstudien durch und hak ab:
- Ausgangsproblem und Ziel stehen am Anfang, nicht das Ergebnis.
- Die Rolle der Agentur ist klar abgegrenzt.
- Methoden sind benannt (Interviews, Beobachtung, Analytics, Card Sorting, Usability-Test).
- Teilnehmerzahl und Zielgruppe der Forschung sind genannt.
- Rohmaterial ist sichtbar: Zitate, Notizen, Auswertungen, Diagramme.
- Informationsarchitektur ist dokumentiert (Sitemap, Flow, Begründung).
- Wireframes oder Zwischenstände sind gezeigt, nicht nur das Endergebnis.
- Es gibt einen klickbaren Prototyp oder ein Video davon.
- Mindestens ein Test mit Nutzern ist beschrieben, inklusive daraus abgeleiteter Änderungen.
- Zustände sind sichtbar (leer, Fehler, Laden), nicht nur der Idealpfad.
- Ergebnisse nennen Messgröße und Zeitraum oder erklären, warum keine Zahlen genannt werden.
- Es gibt Hinweise auf Barrierefreiheit und auf die Übergabe an die Entwicklung.
- Ein Projekt in deinem Kontext (Branche, Komplexität, Nutzerrollen) ist dabei.
- Die Agentur erwähnt, was sie im Rückblick anders machen würde.
Als grobe Faustregel (eigene Einschätzung, keine Studie): Wer neun oder mehr davon erfüllt, arbeitet mit erkennbarem Prozess. Wer vier oder weniger erfüllt, zeigt vor allem Optik.
12 Fragen fürs Erstgespräch
Das Gespräch ist der Moment, in dem sich Portfolio und Realität treffen. Diese Fragen trennen Vorbereitung von Routine.
- Wie sieht euer Vorgehen aus, wenn wir bei null anfangen? Welche Ergebnisse bekomme ich pro Phase?
- Wie geht ihr mit Nutzerforschung um, wenn wir selbst keinen Zugang zu Endnutzern haben?
- Wie viele Interviews oder Tests plant ihr typischerweise, und woran macht ihr das fest?
- Wie validiert ihr die Informationsarchitektur, bevor ihr sie visuell gestaltet?
- Wie testet ihr den Prototyp, und was passiert mit den Ergebnissen?
- Welche Daten (Analytics, Support-Tickets, Heatmaps) wertet ihr aus, bevor ihr neue Ideen entwickelt?
- Zeigt mir ein Projekt, bei dem Forschung eure Annahme widerlegt hat. Was habt ihr geändert?
- Wie arbeitet ihr mit der Entwicklung zusammen, intern oder extern?
- Was liefert ihr zur Übergabe: Design-System, Spezifikation, Komponenten, Review in der Umsetzung?
- Wie geht ihr mit Barrierefreiheit um, und wo im Prozess prüft ihr sie?
- Wer aus eurem Team arbeitet an meinem Projekt, und wer ist mein fester Ansprechpartner?
- Was passiert nach dem Launch: Messung, Iteration, Betreuung?
Gute Agenturen antworten konkret und mit Beispielen. Ausweichende Antworten wie "Das machen wir individuell" sind erlaubt, wenn sie von einem Beispiel gefolgt werden.
Warnzeichen
Design vor Research. Wenn im Angebot nach vier Wochen schon die finalen Screens stehen und nie von Nutzern die Rede ist, wird gestaltet, nicht geforscht.
Prototyp ohne Test. Er hilft der Abstimmung im Team, aber er reduziert kein Risiko.
Nur Wunschdenken in Personas. Personas ohne Datenbasis sind Erfindungen. Frag, woher sie stammen.
Pauschale Phasen. Das Angebot sieht für jedes Projekt gleich aus, unabhängig von Komplexität und Nutzergruppe.
Zahlen ohne Kontext. "Plus 120 Prozent Conversion" ohne Messgröße, Zeitraum und Ausgangswert.
Keine Antwort auf "Was ging schief?". Jedes Projekt hat Kompromisse. Wer sie nicht benennen kann, hat nicht reflektiert.
Übergabe ohne Beteiligung. Wenn Design und Entwicklung strikt getrennt laufen und niemand die Umsetzung begleitet, gehen Details verloren.
Besonderheiten: Produktoberflächen, Portale, Industrie
UX-Anforderungen unterscheiden sich stark je nach Kontext. Drei Fälle, in denen die Auswahl besondere Aufmerksamkeit braucht.
Produktoberflächen in IT und Software. Hier geht es um Workflows, Datenmengen, Rollen und Berechtigungen, Zustände und Fehler. Gute Agenturen können erklären, wie sie Komplexität reduzieren, ohne Funktionen zu verstecken, die Power-User brauchen. Mehr zum Kontext findest du auf der Seite IT, Software und SaaS. Für Marketing-Seiten von Software gibt es eigene Muster, zum Beispiel den Hero, der Software erklärt.
Kundenportale und Händlerplattformen. Wichtig sind Aufgabenorientierung, klare Statusanzeigen, Suche und Filter, mehrere Rollen pro Konto und häufig Mehrsprachigkeit. Der Ratgeber Kundenportal-Redesign mit UX geht darauf näher ein.
Industrie und Engineering. Hier steht oft die Darstellung erklärungsbedürftiger Produkte im Mittelpunkt: Varianten, technische Daten, Zertifikate, Konfiguratoren. Das Ziel ist, dass ein Einkäufer oder Techniker ohne Telefonat zur passenden Variante kommt. Mehr dazu auf der Seite Industrie und Engineering und im Ratgeber Datenblätter und Zertifikate auf Industrie-Websites.
In allen drei Fällen zählt: Hat die Agentur Erfahrung mit deiner Art von Komplexität? Ein Konsumenten-Onboarding ist etwas völlig anderes als ein Rechtemodell mit sieben Rollen.
Übergabe an die Entwicklung
Viele UX/UI-Projekte verlieren in der Übergabe Qualität. Das Design ist sauber, die Umsetzung weicht ab, niemand merkt es früh genug. Frag deshalb vor Vertragsabschluss nach dem Übergabekonzept.
Was dazugehören sollte:
- Design-System. Wiederverwendbare Komponenten, Farben, Typografie, Abstände, Zustände. Das reduziert Abweichungen und beschleunigt spätere Änderungen. Der Ratgeber Design-Systeme: Figma und Webflow-Übergabe beschreibt den Weg im Detail.
- Spezifikation. Verhalten bei verschiedenen Bildschirmgrößen, Zustände, Animationen, Eingabeprüfungen.
- Dokumentation der Entscheidungen. Warum sieht etwas so aus? Das spart in der Entwicklung Rückfragen.
- Begleitung der Umsetzung. Design-Review an Zwischenständen, nicht nur Abnahme am Ende.
Wenn Design und Entwicklung aus verschiedenen Häusern kommen, ist die Schnittstelle die größte Fehlerquelle. Warum viele Unternehmen deshalb beides zusammen vergeben, steht im Ratgeber Design und Entwicklung aus einer Hand. Es gibt aber auch gute Gründe, zu trennen, etwa wenn das Entwicklungsteam im Haus sitzt.
Barrierefreiheit von Anfang an
Barrierefreiheit gehört in die Konzeption, nicht in die Endkontrolle. Kontraste, Fokus-Reihenfolge, Beschriftungen, Zielgrößen und verständliche Fehlermeldungen sind Designentscheidungen. Je nach Angebot greift in Deutschland seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Eine Einordnung findest du im Beitrag BFSG und Website und im Glossar unter Barrierefreiheit.
Frag die Agentur, wo im Prozess sie Barrierefreiheit prüft, mit welchen Standards sie arbeitet und ob sie Tests mit Nutzern mit Einschränkungen einplant. Eine Agentur, die Barrierefreiheit nur als nachträglichen Check am Ende verkauft, wird bei Fehlern teuer.
Aufwand und Kosten einordnen
Für reine UX-Leistungen wie Research, Informationsarchitektur und Prototypen gibt es keine belastbare, unabhängige Marktspanne. Das Feld ist zu uneinheitlich: Ein Zwei-Wochen-Audit und ein dreimonatiges Produktdesign-Projekt lassen sich nicht in einer Zahl fassen. Wer dir eine Pauschalzahl ohne Umfang nennt, schätzt.
Was du einordnen kannst, sind Stundensätze. Der Website-Kosten-Report von adfera nennt für Agenturen im Webbereich 80 bis 120 Euro pro Stunde, für Freelancer 60 bis 90 Euro (adfera, 2026). Tricks.de nennt im Schnitt rund 120 Euro für Werbeagenturen (Tricks.de, 2026). Spezialisierte Research- und Produktdesign-Teams können darüber liegen. Entscheidend ist, was in den Stunden steckt.
So vergleichst du Angebote:
- Verlange eine Aufschlüsselung nach Phasen, nicht nur eine Gesamtsumme.
- Prüfe, ob Research-Teilnehmer, Incentives und Tools enthalten sind.
- Frag, wie viele Feedbackrunden und Testrunden enthalten sind.
- Kläre, ob die Übergabe an die Entwicklung und Design-Reviews enthalten sind.
- Frag nach Optionen: Ein kompakter Start mit Audit und Prototyp, der später ausgebaut werden kann, ist oft vernünftiger als ein großes Gesamtpaket.
Allgemeine Hinweise zum Lesen von Angeboten gibt der Ratgeber Webagentur-Angebote vergleichen.
Agentur, Freelancer oder Inhouse
Nicht jedes UX-Vorhaben gehört in eine Agentur. Die Entscheidung hängt von Umfang, Dauer und vorhandenem Wissen ab.
| Option | Stärke | Grenze | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Agentur | Mehrere Disziplinen, Methodenvielfalt, Kapazität | Weniger Kontext zu deinem Produkt, Projektende | Neuausrichtung, Relaunch, klar abgegrenzte Projekte |
| Freelancer | Flexibel, direkter Draht, oft günstiger im Stundensatz | Eine Person, Vertretung und Kapazität begrenzt | Fokussierte Aufgaben, Ergänzung eines Teams |
| Inhouse | Tiefes Produktwissen, dauerhafte Verfügbarkeit | Aufbau dauert, Methoden-Know-how muss da sein | Produkte mit laufender Entwicklung |
| Mischmodell | Strategie extern, Pflege intern | Braucht klare Rollen | Wachsende Teams |
Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du im Ratgeber UX: Agentur, Freelancer oder Inhouse.
Wann du keine UX/UI-Agentur brauchst
Es gibt Situationen, in denen eine Agentur nicht die beste Wahl ist:
- Kleine Anpassungen. Wenn es um eine überschaubare Verbesserung einer bestehenden Seite geht, reichen oft eine Analyse der Daten, ein paar Tests und ein erfahrener Designer.
- Fehlende Datenbasis. Wenn du noch nicht weißt, ob das Produkt gebraucht wird, hilft Marktvalidierung mehr als Interface-Design.
- Starkes Inhouse-Team. Wenn ihr schon Research und Design im Haus habt, ist Unterstützung punktuell sinnvoller als ein komplettes Projekt.
- Standard-Anforderungen. Eine Marketing-Website mit klaren Zielen kommt oft mit einer guten Struktur und einem erfahrenen Webdesigner aus.
Auch Werkzeuge helfen: Heatmaps und A/B-Tests geben günstige Hinweise darauf, wo Nutzer hängen bleiben. Sie ersetzen keine qualitative Forschung, aber sie zeigen, wo sich Forschung lohnt.

Wie wir das umsetzen
Webwavers ist eine Premium-Agentur für Branding, Webdesign und Webentwicklung. UX/UI-Design ist eine unserer Leistungen, die du auf der Seite UX/UI-Design findest. Die Fragen oben kannst du an uns genauso stellen wie an jede andere Agentur. Wenn du Design und Umsetzung zusammen suchst, arbeiten wir mit Webflow als Schwerpunkt und beraten bei der Systemwahl neutral. Wie wir Projekte aufsetzen, steht auf der Seite Prozess: Jeder Kunde bekommt einen festen Projektleiter und einen eigenen Slack-Kanal, und jede Phase endet mit einer Feedbackrunde und Freigabe. Auf der Seite UX/UI-Design sind die fünf Phasen Start, Struktur, Design, System und Übergabe beschrieben. Nutzertests setzen wir ein, wenn das Projekt sie braucht, oft reichen vorhandene Daten und ein klickbarer Prototyp.
FAQ
Woran erkenne ich, ob eine UX-Agentur echte User Research macht? Am Portfolio und am Gespräch. Eine belastbare Fallstudie nennt Methode, Teilnehmerzahl, Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Entscheidungen. Im Gespräch zeigt die Agentur Rohmaterial und kann ein Projekt benennen, bei dem Forschung ihre Annahme widerlegt hat.
Was ist der Unterschied zwischen Wireframe und Prototyp? Ein Wireframe zeigt Struktur und Anordnung, meist grau und statisch. Ein Prototyp ist klickbar und bildet Abläufe ab, sodass Nutzer ihn ausprobieren können. Für Tests brauchst du einen Prototyp, für die frühe Abstimmung reichen Wireframes. Beide Begriffe findest du im Glossar erklärt.
Wie viele Nutzer muss ich testen? Für qualitative Tests auf Problemsuche argumentiert die Nielsen Norman Group, dass etwa fünf Teilnehmer rund 85 Prozent der Probleme aufdecken, und dass mehrere kleine Tests besser sind als ein großer. Für statistisch belastbare Aussagen braucht es deutlich mehr Teilnehmer und andere Methoden.
Soll die UX-Agentur auch entwickeln? Nicht zwingend. Design und Entwicklung aus einer Hand reduziert Reibung bei der Übergabe. Eine Trennung ist sinnvoll, wenn ein Entwicklungsteam im Haus sitzt. Entscheidend ist, dass die Übergabe geplant ist: Design-System, Dokumentation und Review während der Umsetzung.
Was kostet UX/UI-Design bei einer Agentur? Für reine UX-Leistungen gibt es keine belastbare, einheitliche Marktspanne, weil Umfang und Tiefe stark variieren. Orientierung geben Stundensätze: laut adfera 80 bis 120 Euro bei Agenturen und 60 bis 90 Euro bei Freelancern im Webbereich. Verlange eine Aufschlüsselung nach Phasen.
Wie prüfe ich, ob eine Agentur komplexe B2B-Anwendungen kann? Lass dir ein Projekt mit ähnlicher Komplexität zeigen: mehrere Rollen, viele Daten, Berechtigungen, mehrsprachige Nutzung. Frag, wie Erkenntnisse aus Interviews in die Struktur eingeflossen sind und wie die Agentur Edge Cases wie leere Zustände und Fehler behandelt hat.
Brauche ich vor einem Relaunch einen UX-Audit? Oft ja. Ein Audit auf Basis von Analytics, Heatmaps und Nutzerbeobachtung zeigt, welche Probleme ein Redesign lösen muss und welche nicht. Das verhindert, dass ein neues Design alte Schwächen nur neu verpackt. Frag die Agentur, ob sie einen Audit als eigenen, kleineren Schritt anbietet.
Fazit
Eine gute UX/UI-Agentur erkennst du an Prozess und Nachweis: Research mit benannter Methode, validierte Informationsarchitektur, getestete Prototypen, dokumentierte Übergabe. Im Portfolio zählen Fallstudien mit Ausgangslage, Erkenntnissen und Grenzen mehr als Screens. Stell die zwölf Fragen, nutze die Checkliste und lass dir Beispiele aus deinem Kontext zeigen. So vergleichst du Agenturen nach dem, was sie tun, nicht nach dem, was sie versprechen.
Unterstützung bei der Auswahl: Wenn du einen UX-Audit oder ein UX/UI-Projekt planst, kannst du uns über die Kontaktseite ansprechen.
Quellen
- Nielsen Norman Group: When to Use Which User-Experience Research Methods (Rohrer, 2022)
- Nielsen Norman Group: Why You Only Need to Test with 5 Users (Nielsen, 2000)
- Nielsen Norman Group: Card Sorting, Definition (Tankala und Sherwin, 2024)
- adfera: Website-Kosten-Report 2026
- Tricks.de: Website-Agentur Kosten und Preise (2026)








