UX & Conversion
UX-Agentur, Freelancer oder Inhouse-Designer: Was passt zu deinem Projekt?
Kernaussagen
- Ein Inhouse-Designer passt zu Produkten mit dauerhafter Entwicklung, ein Freelancer zu klar abgegrenzten Aufgaben oder als Ergänzung eines Teams, eine Agentur zu Neuausrichtung und Relaunch mit mehreren Disziplinen
- Gehalt.de nennt für UX-Designer einen Median von 53.997 Euro brutto im Jahr, StepStone einen Durchschnitt von 44.500 Euro, dazu kommen Arbeitgeberanteile und Nebenkosten
- Als Stundensätze im Webbereich nennt adfera 80 bis 120 Euro für Agenturen und 60 bis 90 Euro für Freelancer, eine eigene Break-even-Rechnung zeigt, dass eine Stelle bei kleinem Bedarf meist teurer ist als extern
- Bei Freelancern ist neben Verfügbarkeit die Scheinselbstständigkeit ein Risiko, laut IHK-Merkblatt entscheidet die tatsächliche Durchführung und nicht der Vertragstitel
- Mischmodelle wie Strategie extern und Pflege intern lösen die häufigsten Schwächen der Einzelmodelle
Von Edip Kilinc, Gründer von Webwavers. Veröffentlicht am 31.10.2026. Zuletzt aktualisiert am 31.10.2026. Lesezeit: ca. 16 Minuten.
Kurzantwort: Ein Inhouse-Designer passt, wenn du ein Produkt dauerhaft weiterentwickelst und das Wissen im Haus bleiben soll. Ein Freelancer passt zu klar abgegrenzten Aufgaben oder als Verstärkung eines bestehenden Teams. Eine Agentur passt zu Neuausrichtung, Relaunch und Projekten, die mehrere Disziplinen brauchen, etwa Research, Struktur, Interface und Übergabe an die Entwicklung. Entscheidend sind fünf Kriterien: Dauer des Bedarfs, Wissen im Haus, Breite der Disziplinen, Ausfallrisiko und Führung.
Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt keine pauschal richtige Wahl. Marketing-Website, Produktoberfläche und Plattformprojekt haben unterschiedliche Anforderungen.
- Inhouse lohnt sich bei dauerhaftem Bedarf, extern bei zeitlich begrenztem Projekt. Die Break-even-Rechnung unten hilft dir bei der Einschätzung.
- Freelancer sind flexibel, haben aber Kapazitäts- und Vertretungsgrenzen und bringen bei dauerhafter Einbindung ein Scheinselbstständigkeits-Risiko mit.
- Eine Agentur bringt Methodenbreite und Kapazität, aber weniger Kontext zu deinem Produkt und ein Projektende.
- Mischmodelle lösen viele Schwächen: Strategie und System extern, Pflege und Weiterentwicklung intern.
Inhalt
- Die drei Modelle kurz erklärt
- Vergleichstabelle
- Kosten: Gehälter und Stundensätze
- Break-even: Wann sich eine Stelle lohnt
- Risiken je Modell
- Freelancer: Scheinselbstständigkeit und Rechte
- Spezialisierte UX-Agentur oder Webdesign-Agentur mit UX-Team
- Szenarien und Empfehlungen
- SaaS-Website: Agentur oder interner Produktdesigner
- Mischmodelle
- Entscheidungshilfe in zehn Fragen
- Wann keines der Modelle das Richtige ist
- Wie wir das umsetzen
- FAQ
Die drei Modelle kurz erklärt
Inhouse-Designer. Du stellst eine Person oder ein Team an. Sie kennt dein Produkt, deine Nutzer und dein Unternehmen, arbeitet dauerhaft für dich und ist in Entscheidungen eingebunden. Die Kosten sind Gehalt, Nebenkosten, Arbeitsmittel und Führung.
Freelancer. Du beauftragst eine selbstständige Person für eine Aufgabe oder einen Zeitraum. Sie bringt ihre Methoden mit, arbeitet mit eigener Ausstattung und rechnet nach Stunden, Tagen oder Projekt ab. Ihr Vorteil ist Flexibilität, ihr Risiko die Abhängigkeit von einer Person.
Agentur. Du beauftragst ein Team, das mehrere Disziplinen abdeckt: Research, Informationsarchitektur, Interaktion, visuelles Design und oft auch Entwicklung. Sie arbeitet projektbezogen, mit eigenem Prozess und fester Struktur.
Die Begriffe UX und UI erklärt das Glossar unter UX und UI. Welche Kriterien du bei der Auswahl einer Agentur anlegst, beschreibt der Ratgeber UX/UI-Agentur auswählen. Hier geht es um die Vorfrage: Welches Modell passt überhaupt zu deinem Fall?
Vergleichstabelle
| Kriterium | Inhouse | Freelancer | Agentur |
|---|---|---|---|
| Wissen über Produkt und Kunden | Sehr hoch, wächst mit der Zeit | Gering am Anfang, abhängig von Einarbeitung | Gering am Anfang, wird im Projekt aufgebaut |
| Methodenbreite | Meist begrenzt auf die Person oder das Team | Spezialisiert, oft ein bis zwei Schwerpunkte | Breit: Research, Struktur, UI, Entwicklung |
| Kapazität | Fest, schwer kurzfristig zu erhöhen | Begrenzt auf eine Person | Skalierbar im Rahmen des Teams |
| Ausfallrisiko | Hoch bei einer einzelnen Person | Hoch, Vertretung selten vorhanden | Gering, Vertretung im Team |
| Kostenstruktur | Fix: Gehalt und Nebenkosten | Variabel: Stunden oder Tage | Variabel: Projekt oder Retainer |
| Startgeschwindigkeit | Langsam: Suche, Einstellung, Einarbeitung | Schnell, wenn Person verfügbar | Mittel: Angebot, Onboarding |
| Führung und Steuerung | Intern, erfordert Design-Lead | Durch dich oder eine interne Führung | Durch Projektleitung der Agentur |
| Wissen nach Projektende | Bleibt im Unternehmen | Geht mit der Person | Geht mit der Agentur, wenn nicht dokumentiert |
| Objektiver Blick | Gering, Betriebsblindheit | Hoch | Hoch |
| Passt zu | Produkt mit laufender Entwicklung | Abgegrenzte Aufgabe, Teamverstärkung | Neuausrichtung, Relaunch, Plattformprojekt |
Die Tabelle zeigt Tendenzen, keine Naturgesetze. Es gibt starke Freelancer-Teams, die wie kleine Agenturen arbeiten, und Inhouse-Teams mit großer Methodenbreite. Im Einzelfall zählt, wer konkret vor dir sitzt.

Kosten: Gehälter und Stundensätze
Für eine Entscheidung brauchst du Zahlen. Wir nennen, was belegt ist, und kennzeichnen Lücken.
Gehälter für UX-Designer in Deutschland.
- Gehalt.de nennt für UX-Designer einen Median von 53.997 Euro brutto im Jahr bei 40 Wochenstunden. Das untere Quartil liegt bei 48.518 Euro, das obere bei 60.094 Euro (Gehalt.de, UX-Designer).
- StepStone nennt ein Durchschnittsgehalt von 44.500 Euro brutto im Jahr, mit einer Spanne von 37.400 bis 54.100 Euro (StepStone, UX Designer). Auf der Seite wird derselbe Wert an einer Stelle als Durchschnitt und an einer anderen als Median bezeichnet.
Die beiden Quellen weichen um rund 9.500 Euro ab. Das liegt vermutlich an unterschiedlichen Datenquellen und Berufsabgrenzungen. Für die Planung eines erfahrenen Designers, der ein Produkt eigenständig verantwortet, solltest du eher mit dem oberen Bereich rechnen. Das ist eine Einschätzung, keine Quelle.
Hinzu kommen Arbeitgeberanteile und Nebenkosten wie Sozialversicherung, Arbeitsmittel, Software, Weiterbildung und Führungsaufwand. Eine belastbare aktuelle Zahl zu den Lohnnebenkosten liegt nicht vor. Eurostat-Daten aus 2013 weisen für Deutschland rund 27 Euro Lohnnebenkosten je 100 Euro Bruttolohn aus (Statista nach Eurostat, 2014). Der Wert ist alt und dient hier nur als Anhaltspunkt für die Rechnung unten.
Stundensätze. Für UX-Leistungen allein liegt keine belastbare, unabhängige Marktspanne vor. Für den Webbereich insgesamt nennt der Website-Kosten-Report von adfera 80 bis 120 Euro pro Stunde bei Agenturen und 60 bis 90 Euro bei Freelancern (adfera, 2026). Tricks.de gibt für Werbeagenturen im Schnitt rund 120 Euro je Stunde an und für Freelancer in der Webentwicklung 110 bis 150 Euro (Tricks.de, 2026). Die Quellen widersprechen sich, und spezialisierte Research-Teams können darüber liegen. Behandle die Sätze als Rahmen.
Break-even: Wann sich eine Stelle lohnt
Die zentrale Frage lautet: Ab wie vielen Stunden im Jahr ist eine Stelle günstiger als externe Hilfe? Die folgende Rechnung ist eine Rechenhilfe mit offengelegten Annahmen, kein Angebot und keine Marktzahl.
Annahmen:
- Gehalt: 53.997 Euro brutto (Median Gehalt.de)
- Zuschlag für Arbeitgeberanteile und Nebenkosten: 27 Prozent, angelehnt an den älteren Eurostat-Wert (eigene Annahme)
- Stundensatz Agentur: 100 Euro (Mitte der adfera-Spanne 80 bis 120 Euro)
- Stundensatz Freelancer: 75 Euro (Mitte der adfera-Spanne 60 bis 90 Euro)
Rechnung:
| Schritt | Ergebnis |
|---|---|
| Jahreskosten Inhouse (53.997 Euro mal 1,27) | rund 68.600 Euro |
| Entspricht bei Agentur (100 Euro je Stunde) | rund 686 Stunden |
| Entspricht bei Freelancer (75 Euro je Stunde) | rund 915 Stunden |
Das heißt: Brauchst du im Jahr deutlich weniger als etwa 700 bis 900 Stunden UX-Leistung, ist externe Hilfe rechnerisch günstiger. Brauchst du dauerhaft mehr, wird die Stelle interessanter.
Was die Rechnung nicht zeigt.
- Ein Angestellter arbeitet nicht alle bezahlten Stunden produktiv für dein Projekt. Urlaub, Krankheit, Meetings und Weiterbildung verringern die nutzbare Zeit. Das verschiebt den Break-even nach unten, also zugunsten extern.
- Eine Agentur rechnet Projektleitung, Abstimmung und Methodenvielfalt mit ein. Ein Freelancer hat diese Anteile oft nicht oder rechnet sie anders. Stunden sind daher nicht eins zu eins vergleichbar.
- Wissen im Haus hat einen Wert, den die Rechnung nicht abbildet. Wer ein Produkt über Jahre weiterentwickelt, spart Einarbeitungszeit und trifft bessere Entscheidungen.
- Recruiting kostet Zeit und Geld. Wir haben keine belastbare Zahl zur Dauer einer Besetzung gefunden und nennen deshalb keine.
Die Rechnung hilft bei der Größenordnung. Die Entscheidung triffst du mit den Kriterien weiter unten.
Risiken je Modell
Jedes Modell hat typische Schwachstellen. Wenn du sie kennst, kannst du sie vermeiden.
Inhouse.
- Eine Person, ein Engpass. Fällt sie aus oder kündigt sie, steht das Thema still.
- Methodenlücken. Eine einzelne Person kann selten Research, Informationsarchitektur, Interaktion und Visual Design auf hohem Niveau abdecken.
- Betriebsblindheit. Wer lange im selben Produkt arbeitet, übersieht Dinge, die neue Nutzer sofort stören.
- Führung. Ohne Design-Lead fehlt jemand, der Qualität sichert und das Thema im Unternehmen vertritt.
- Aufbauzeit. Suche, Einstellung und Einarbeitung dauern. Bis dahin entsteht keine Wirkung.
Freelancer.
- Kapazität und Vertretung. Eine Person kann nicht skalieren. Bei Krankheit oder Terminüberschneidung wartet das Projekt.
- Wissen geht mit der Person. Ohne Dokumentation fehlt nach Projektende die Grundlage für Weiterarbeit.
- Steuerungsaufwand bei dir. Jemand muss Aufgaben formulieren, Ergebnisse prüfen und Abhängigkeiten koordinieren.
- Einschränkung der Reichweite. Spezialisten decken meist nicht alle Disziplinen ab.
- Rechtliche Risiken bei dauerhafter Einbindung, siehe unten.
Agentur.
- Weniger Kontext. Die Agentur kennt dein Produkt am Anfang nicht. Das braucht Einarbeitung und Zugang zu Nutzern und Daten.
- Projektende. Nach der Abnahme endet die Betreuung, wenn nichts anderes vereinbart ist.
- Teamwechsel. Die Personen, die im Vertrieb auftreten, sind nicht immer die, die im Projekt arbeiten. Frage danach.
- Übergabe. Ohne Design-System und Dokumentation ist dein Team später abhängig. Das behandelt der Ratgeber Design-Systeme: Figma und Webflow-Übergabe.
- Fehlende Passung. Ein starkes Portfolio für Konsumenten-Apps sagt wenig über ein Händlerportal.
Freelancer: Scheinselbstständigkeit und Rechte
Wenn du Freelancer langfristig in deine Abläufe einbindest, solltest du zwei Themen kennen. Beide sind keine Rechtsberatung, sondern eine Orientierung.
Scheinselbstständigkeit. Der Begriff ist kein Rechtsbegriff. Maßgeblich ist laut IHK-Merkblatt die tatsächliche Durchführung des Vertrags, nicht die Vertragsbezeichnung. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind nach § 7 Abs. 1 SGB IV unter anderem die Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers und die Weisungsgebundenheit. Es gibt kein einzelnes entscheidendes Merkmal, entscheidend ist das Gesamtbild. Dass jemand nur für einen Auftraggeber arbeitet, entscheidet allein noch nichts (IHK München, Merkblatt Scheinselbstständigkeit, Stand 01/2025).
Die Folgen können erheblich sein. Der Auftraggeber schuldet Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung. Die Verjährung beträgt vier Jahre nach Ablauf des Kalenderjahrs der Fälligkeit, bei Vorsatz dreißig Jahre. Säumniszuschläge liegen bei 1 Prozent pro Monat. Ob ein Vertragsverhältnis selbstständig oder abhängig ist, kann die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung im Statusfeststellungsverfahren nach § 7a SGB IV verbindlich klären. Den Antrag können Auftraggeber, Auftragnehmer oder beide gemeinsam stellen. Für Projektarbeit mit klarem Ergebnis, eigener Arbeitszeit und eigener Ausstattung ist das Risiko in der Regel geringer als für Dauereinsätze in deinem Team mit festen Zeiten und Weisungen. Im Zweifel hilft ein Fachanwalt.
Rechte an den Arbeitsergebnissen. Das Urheberrecht liegt zunächst bei dem, der das Werk schafft. Welche Nutzungsrechte du erhältst, regelt der Vertrag. Ohne klare Regelung entscheidet nach § 31 Abs. 5 UrhG der Vertragszweck (Gesetze im Internet). Lass dir Figma-Dateien, Quelldateien und Dokumentation ausdrücklich übertragen. Das gilt für alle Modelle, ist bei Einzelpersonen aber besonders wichtig, weil niemand sonst das Wissen hält.
Spezialisierte UX-Agentur oder Webdesign-Agentur mit UX-Team
Innerhalb des Agenturmodells gibt es eine weitere Weggabelung: Eine spezialisierte UX-Agentur oder eine Webdesign-Agentur, die UX als Teil ihres Angebots hat.
| Kriterium | Spezialisierte UX-Agentur | Webdesign-Agentur mit UX-Team |
|---|---|---|
| Stärke | Research, Tests, komplexe Produktlogik | Gestaltung und Umsetzung aus einem Haus |
| Typische Projekte | Produktoberflächen, Portale, Software | Unternehmenswebsites, Relaunch, Plattformen |
| Entwicklung | Oft extern oder nicht Teil des Angebots | Häufig inklusive |
| Tiefe bei Research | Meist höher, mit eigenen Methoden und Labs | Variiert, oft pragmatisch mit vorhandenen Daten |
| Risiko | Schnittstelle zur Entwicklung | Weniger Tiefe bei komplexen Rollen und Workflows |
Bei einem Plattformprojekt mit vielen Rollen, Berechtigungen und Daten ist eine Agentur mit nachweisbarer Research-Tiefe sinnvoll. Bei einer Unternehmenswebsite mit klaren Zielen reicht oft eine Webdesign-Agentur mit UX-Kompetenz, vor allem wenn Design und Entwicklung zusammen gedacht werden sollen. Die Abwägung dazu steht im Ratgeber Design und Entwicklung aus einer Hand.
Wichtig ist, dass du die UX-Tiefe prüfst und nicht am Etikett festmachst. Die Checkliste im Ratgeber UX/UI-Agentur auswählen zeigt, woran du echte Research-Arbeit erkennst. Die Nielsen Norman Group argumentiert, dass etwa fünf Testpersonen rund 85 Prozent der Usability-Probleme aufdecken und mehrere kleine Tests besser sind als ein großer (Nielsen Norman Group, 2000). Das gilt für qualitative Problemsuche. Ob ein Anbieter solche Tests selbst durchführen kann oder auf Fremdlabore zurückgreift, ist eine nützliche Frage im Gespräch.
Szenarien und Empfehlungen
Die richtige Wahl hängt vom Projekt ab. Diese Szenarien zeigen typische Konstellationen und Tendenzen.
| Szenario | Tendenz | Begründung |
|---|---|---|
| Relaunch der Unternehmenswebsite, kein Designteam | Agentur | Mehrere Disziplinen, klares Projektende, Übergabe an Pflege |
| Relaunch, Entwicklungsteam im Haus | Agentur für UX und Design, Umsetzung intern | Schnittstelle sauber definieren |
| SaaS-Marketing-Website neben laufendem Produkt | Agentur oder Mischmodell | Marketing-Site ist Projekt, Produktteam hat anderen Fokus |
| Produktoberfläche mit wöchentlichen Releases | Inhouse, ergänzt durch Freelancer oder Agentur | Dauerhafter Bedarf, Produktwissen entscheidend |
| Einzelne Funktion oder Screen-Flow neu denken | Freelancer | Abgegrenzt, schnell startklar |
| Mehrsprachige Unternehmenswebsite mit CMS | Agentur | Struktur, Inhalte, Pflege und Technik hängen zusammen |
| Kundenportal oder Händlerplattform | Spezialisierte UX-Agentur oder starkes Produktteam | Rollen, Rechte, Daten, Zustände |
| Design-System aufbauen | Agentur oder Freelancer mit Systemerfahrung, danach intern | Aufbau extern, Pflege intern |
| Kleines Unternehmen, einfacher Auftritt | Webdesign-Agentur oder erfahrener Freelancer | UX-Spezialisierung wäre überdimensioniert |
Weitere Hinweise zu Kundenportalen findest du im Ratgeber Kundenportal-Redesign mit UX.
SaaS-Website: Agentur oder interner Produktdesigner
Eine häufige Frage aus der Software-Branche lautet: Soll unser interner Produktdesigner auch die Website machen, oder holen wir eine UX/UI-Agentur? Die Antwort hängt davon ab, was du unter "Website" verstehst.
Marketing-Website. Hier geht es um Positionierung, Botschaft, Struktur, Conversion und Inhalte. Das ist ein anderes Handwerk als Produktdesign. Ein Produktdesigner kennt Nutzerflüsse und Interface-Muster, aber nicht zwingend Messaging, SEO, Landingpage-Dramaturgie und Conversion-Optimierung. Eine Agentur ist hier oft sinnvoll, vor allem bei einem Relaunch oder Rebranding. Ein Beispiel für Muster, die für Software-Seiten typisch sind, liefert der Ratgeber SaaS-Hero: Software auf der Website erklären.
Produkt-Interface. Hier zählen Workflows, Zustände, Datenmengen, Rollen und Berechtigungen. Das gehört zu einem Produktteam, das dauerhaft am Produkt arbeitet. Eine Agentur kann punktuell helfen, etwa bei einem Redesign oder dem Aufbau eines Design-Systems, aber der laufende Betrieb liegt im Haus.
Beides zusammen. Wenn Marketing-Website und Produkt visuell zusammengehören sollen, hilft ein Design-System, das beide Seiten nutzen. Dann übernimmt eine Agentur den Aufbau, der Produktdesigner pflegt es weiter. Mehr zum Kontext findest du auf der Seite IT, Software und SaaS.
Mischmodelle
Die Frage ist selten entweder oder. Viele Teams fahren mit Mischformen besser:
- Strategie extern, Pflege intern. Eine Agentur entwickelt Struktur, Design und System. Das interne Team übernimmt Betrieb und Weiterentwicklung. Voraussetzung ist eine saubere Übergabe.
- Inhouse plus Freelancer als Puffer. Das Team deckt den Alltag ab, ein Freelancer verstärkt bei Spitzen oder liefert Spezialwissen wie Research oder Prototyping.
- Agentur als Sparringspartner. Ein Retainer mit festem Stundenkontingent sichert Reviews, Workshops und Beratung, während das Team arbeitet.
- Audit extern, Umsetzung wählbar. Ein kompakter UX-Audit liefert die Basis, danach entscheidest du mit besseren Informationen, wer umsetzt.
- Agentur baut, Team übernimmt. Das Projekt wird so geplant, dass Wissen übertragen wird: Dokumentation, Einweisung und Pflegeschulung gehören in den Vertrag.
Bei allen Mischmodellen gilt: Klare Rollen verhindern Reibung. Lege fest, wer entscheidet, wer prüft und wer pflegt.
Entscheidungshilfe in zehn Fragen
Beantworte diese Fragen für dein Vorhaben.
- Wie lange besteht der Bedarf? Unter zwölf Monaten spricht für extern, dauerhaft für inhouse.
- Wie groß ist der Bedarf? Weit unter 700 bis 900 Stunden im Jahr spricht für extern (siehe Break-even).
- Gibt es UX-Wissen im Haus? Wenn nein, brauchst du entweder eine erfahrene Führung oder eine Agentur.
- Welche Disziplinen brauchst du? Research, Struktur, Interface, Entwicklung? Je mehr, desto eher Agentur.
- Wie wichtig ist Produktkontext? Hoher Kontext spricht für inhouse oder eine langfristige Agenturpartnerschaft.
- Wie hoch ist das Ausfallrisiko? Eine einzelne Person ist immer ein Risiko.
- Wer steuert den Dienstleister? Freelancer brauchen mehr Steuerung als eine Agentur mit Projektleitung.
- Wer pflegt das Ergebnis? Ohne Pflegeplan hilft das beste Design nicht.
- Wie viel Zeit hast du? Wenn es schnell gehen muss, ist Einstellen meist zu langsam.
- Wie groß ist das Budget für Fehlentscheidungen? Ein kompaktes erstes Projekt senkt das Risiko.
Wenn die Antworten gemischt sind, ist ein Mischmodell wahrscheinlich richtig.
Wann keines der Modelle das Richtige ist
Manchmal lautet die richtige Antwort weder Agentur noch Freelancer noch Inhouse.
- Du hast noch keine belastbare Datenlage. Dann hilft zuerst eine kleine Analyse von Analytics, Heatmaps und Support-Anfragen. Das Glossar erklärt A/B-Tests und Heatmaps.
- Die Aufgabe ist klein. Eine überschaubare Verbesserung einer bestehenden Seite braucht keinen UX-Prozess, sondern eine gute Idee und einen erfahrenen Designer.
- Die Produktfrage ist ungeklärt. Wenn noch offen ist, ob das Produkt gebraucht wird, ist Marktvalidierung wichtiger als Interface-Design.
- Ein Baukasten reicht. Für einfache Auftritte kann ein Baukasten die richtige Lösung sein. Die Abwägung beschreibt der Beitrag Agentur, Freelancer oder Baukasten.
Zu ähnlichen Entscheidungen in anderen Disziplinen gibt es die Ratgeber Branding-Agentur, Freelancer oder Inhouse und SEO-Agentur, Freelancer oder Inhouse.

Wie wir das umsetzen
Webwavers ist eine Premium-Agentur für Branding, Webdesign und Webentwicklung. UX/UI-Design ist eine unserer Leistungen. Wie wir Projekte aufsetzen, steht auf der Seite Prozess: ein unverbindliches Erstgespräch, ein Onboarding mit 34 Strategiefragen und ein Strategiegespräch, in dem Ziele, Erwartungen, Positionierung und Rahmenbedingungen festgelegt werden. Danach entwickeln wir drei Moodboards, aus denen du eine Richtung wählst. Im Anschluss entstehen in Figma zuerst die ersten drei Sektionen der Startseite, dann Startseite und Unterseiten, jeweils mit einer Feedbackrunde. Es wird nichts programmiert, bevor das Design in Figma freigegeben ist. Jeder Kunde hat einen festen Projektleiter und einen eigenen Slack-Kanal. Bis zur Freigabe der ersten drei Sektionen gilt eine Zufriedenheitsgarantie: Überzeugen Moodboards und erste Sektionen nicht, wird die Anzahlung erstattet. Die Fragen aus diesem Ratgeber kannst du uns genauso stellen wie jedem anderen Anbieter.
FAQ
Welche UX/UI-Agenturen sind für einen Website-Relaunch eine bessere Wahl als ein freiberuflicher UX Designer?
Eine Agentur passt besser, wenn der Relaunch mehrere Disziplinen braucht, etwa Struktur, Design, Entwicklung und Übergabe, und wenn Ausfallrisiko und Kapazität eine Rolle spielen. Ein Freelancer passt besser bei abgegrenzten Aufgaben oder als Verstärkung. Prüfe in beiden Fällen Fallstudien und die geplante Übergabe.
UX/UI-Agentur oder interner Produktdesigner für unsere SaaS-Website, was ist sinnvoller?
Für die Marketing-Website ist oft eine Agentur sinnvoll, weil Positionierung, Botschaft und Conversion ein anderes Handwerk sind als Produktdesign. Für die Produktoberfläche ist ein internes Produktteam besser. Ein gemeinsames Design-System verbindet beides.
UX-Agentur oder Inhouse-UX-Designer für unser Digitalprodukt, was ist sinnvoller?
Bei dauerhafter Weiterentwicklung eines Produkts ist Inhouse meist sinnvoller, weil Produktwissen den Unterschied macht. Eine Agentur hilft bei Neuausrichtung, Redesign oder dem Aufbau eines Design-Systems. Oft führt ein Mischmodell zum besten Ergebnis.
Wie vergleiche ich UX-Agenturen nach Preis-Leistung für eine mehrsprachige Unternehmenswebsite?
Verlange eine Aufschlüsselung nach Phasen und prüfe, ob Research, Prototyp, Tests, Mehrsprachigkeit im Konzept und Übergabe enthalten sind. Für reine UX-Leistungen gibt es keine belastbare Marktspanne. Orientierung geben Stundensätze: laut adfera 80 bis 120 Euro bei Agenturen im Webbereich. Eine Checkliste bietet der Ratgeber Webagentur-Angebote vergleichen.
Was kostet ein Inhouse-UX-Designer im Vergleich zu einer Agentur?
Gehalt.de nennt einen Median von 53.997 Euro brutto im Jahr, dazu kommen Arbeitgeberanteile und Nebenkosten. Mit einem Zuschlag von 27 Prozent (eigene Annahme) sind das rund 68.600 Euro, was bei 100 Euro Agenturstundensatz etwa 686 Stunden entspricht. Brauchst du weniger Stunden im Jahr, ist extern rechnerisch günstiger.
Was ist bei Freelancern rechtlich zu beachten?
Vor allem die Abgrenzung zur Scheinselbstständigkeit und die Regelung der Nutzungsrechte. Laut IHK-Merkblatt zählt die tatsächliche Durchführung, nicht der Vertragstitel. Lass Rechte an Arbeitsergebnissen ausdrücklich übertragen und hole im Zweifel rechtlichen Rat ein.
Fazit
Inhouse, Freelancer oder Agentur: Die Wahl hängt von Dauer und Umfang des Bedarfs, dem Wissen im Haus, der Breite der Disziplinen und dem Ausfallrisiko ab. Eine Stelle lohnt sich rechnerisch bei dauerhaft hohem Bedarf, externe Hilfe bei begrenztem Projekt. Freelancer sind flexibel, aber begrenzt in Kapazität und rechtlich sensibel bei dauerhafter Einbindung. Agenturen bringen Breite, brauchen aber Einarbeitung und eine geplante Übergabe. Mischmodelle verbinden die Stärken. Beantworte die zehn Fragen und starte mit einem kleinen, klar umrissenen Schritt.
Unterstützung bei der Entscheidung: Wenn du dein Vorhaben mit uns durchsprechen willst, melde dich über den Kontakt.
Quellen
- Gehalt.de: UX-Designer/-in, Gehaltsspanne in Deutschland
- StepStone: UX Designer Gehälter in Deutschland
- adfera: Website-Kosten-Report 2026
- Tricks.de: Website-Agentur Kosten und Preise (2026)
- Statista nach Eurostat: Lohnnebenkosten pro 100 Euro Bruttolohn (Daten 2013, veröffentlicht 2014)
- IHK München: Merkblatt Scheinselbstständigkeit (Stand 01/2025)
- Gesetze im Internet: § 31 UrhG, Einräumung von Nutzungsrechten
- Nielsen Norman Group: Why You Only Need to Test with 5 Users (Nielsen, 2000)
- Webwavers: Prozess








